Die Intensität von Lernaktivitäten

31.12.2012 von Antonio Anta Brink

Elliott Masie beschreibt in seinem Beitrag Intensity in Learning? wie Lernaktivitäten sich in ihrer Intensität unterscheiden können. Er nennt dafür mehrere beispielhafte Dimensionen:

  • Die Intensität der Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden.
  • Die Schwierigkeit der Lerninhalte.
  • Die Intensität der Lernerfolgskontrolle z.B. Durchfallquote.
  • Wie schnell können die Lernenden das Wissen in die Berufspraxis transferieren?
  • Wie stark ist das Erfolgserlebnis, das mit mit einem Lernerfolg verbunden ist?

Masie nennt einige neuere Entwicklungen in der Bildung, die seiner Meinung nach mit weniger intensiven Lernaktivitäten einhergehen:

  • Stark steigender Einsatz von Webinaren.
  • Wachsende Popularität von Lehrfilmen in YouTube.
  • Zunahme von Führungsausbildungen, die weniger auf Coaching und andere sehr "interaktive" Methoden setzen, sondern wieder vermehrt auf PowerPoint-Lektionen.
  • Schnell wachsende Zunahme von E-Learning zum Zweck der Compliance bzw. Regelkonformität.
  • Wachsende Popularität von Massive Open Online Courses und Open Content- und Wissensplattformen wie Khan Acadamy. Diese Angebote würden meist mit viel Partizipation des Lerners und moderaten Abschlussquoten einhergehen, aber die Intensität des Lernens wird als eher tief eingeschätzt.

Masie bezeichnet sich als Anhänger von intensiven Lernprozessen und versucht selbst seine Lehraktivitäten möglichst intensiv zu gestalten. Er selbst hätte am meisten von jenen Lernaktivitäten gelernt, die sehr intensiv gestaltet waren. Mit Recht weist er darauf hin, dass es bislang keine Sprache oder Taxonomie für die Beschreibung und den Vergleich dieser Intensität gibt. Vielleicht nehmen sich ja Bildungsforscher diesem Thema in Zukunft an.

Aus meiner Sicht ist die Frage der wahrgenommenen Intensität sehr stark von der Person des Lerners abhängig. Mögliche Faktoren:

  • Vorwissen und die Möglichkeiten der Verknüpfung der neuen Lerninhalte mit diesem Wissen.
  • Aktivationsniveau: Zu wenig aber auch zu viel Aktivation kann die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Statt generell auf möglichst intensive Lernaktivitäten zu setzen, ist es deshalb meines Erachtens besser, das Design von Lernaktiviäten flexibel zu halten und bei Bedarf den Intensitätslevel anzupassen. Diese Flexibilität ist im persönlichen Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden vielleicht noch machbar. Bei vorproduzierten Lerneinheiten, wie Lehrfilmen oder E-Learning-Einheiten, ist diese Adaptivität gar nicht bzw. nur mit hohem Aufwand zu erreichen. Aber man kann vielleicht im Sinne einer Dramaturgie verschiedene Intensitätslevel einbauen. Zum Beispiel würde es wahrscheinlich Sinn machen, zu Beginn einer Lerneinheit eine hohe Intensität zu fahren.

In einem künftigen Beitrag in diesem Blog, werde ich über die verschiedenen Möglichkeiten zur Intensivierung von Lernaktivitäten schreiben.

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