Die Hürden eines Fernstudiums

12.07.2011 von Antonio Anta Brink

Die Ausbildung im Rahmen eines Fernstudiums wird immer beliebter. So ist die FernUniversität in Hagen mit rund 75.000 Studenten die grösste Universität Deutschlands (http://www.fernuni-hagen.de/arbeiten/statistik).

Das Studium an einer Fernuniversität ist von folgenden Rahmenbedingungen bestimmt:

  • Der Lernort ist frei wählbar, aber in der Regel zu Hause.
  • Es gibt relativ selten direkte soziale Kontakte zu Dozenten und Studienkollegen.
  • Die Studierenden sind in der Einteilung ihrer Lernzeiten sehr frei.
  • Die Lernmedien basieren zum Grossteil auf schriftlichen, textbasierten Unterlagen (Studienbriefe).
  • Durch die seltenen Möglichkeiten zum direkten Zusammentreffen mit Studienkollegen, kommt es nicht so einfach zur Bildung von Lerngruppen.
  • Für viele Studierende liegt die Schul- bzw. Studienzeit schon länger zurück.

Diese Rahmenbedingungen gehen einher mit hohen Abbruchquoten, wie sie in einem Artikel in der ZEIT (Büffeln ohne Ende) dargestellt wurden: Im Jahr 1992 stellte der Wissenschaftsrat in einem Gutachten über das Fernstudium fest, dass nur etwa 10 Prozent der Studierenden der FernUniversität Hagen einen Abschluss machen. Diese Situation hat sich inzwischen gebessert. Der Rektor der FernUniversität Hagen, Prof. Helmut Hoyer, schätzt die Abschlussquoten nun auf ca. 30% ein. Trotz der Verbesserung liegt eine Abbruchsquote von 70% im Vergleich zu den 15 privaten Fernhochschulen (20 bis 35%) noch relativ hoch. Bei den klassischen Präsenzuniversitäten liegt die Abbruchquote bei rund 21%.

Was sind die möglichen Ursachen für diese hohe Abbruchquote?

  • Geringe Kosten des Fernstudiums
  • Nicht alle Studierenden sind an einem Abschluss interessiert
  • Weniger individuelle Betreuung der Studierenden
  • Bei Berufstätigkeit bleibt als Lernzeit oft nur der Abend oder das Wochenende.
  • Gelernt wird zu Hause, wodurch die Abgrenzung zu den familiären Verpflichtungen mitunter schwierig ist.
  • Viele Studierende verfügen über wenig oder keine Kenntnisse zu Lerntechniken bzw. zur Lernorganisation.
  • Ein Fernstudium stellt hohe Ansprüche an die Selbstdisziplin und Selbstorganisation.

Vor allem der letzte Punkt ist aus meiner Sicht ausschlaggebend. Das Phänomen der Prokrastination, das Hinauszögern von notwendigen Anstrengungen, gibt es zwar schon lange, aber offenbar hat sich die Häufigkeit in den letzten Jahren stark erhöht (Morgen ist ein Tag zu spät). Wenn Prokrastination schon beim klassischen Präsenzstudium ein Problem ist - vor allem bei wenig strukturierten Studienfächern - kann man sich vorstellen um wie viel stärker dieses Phänomen bei Studierenden der FernUniversität verbreitet ist, da hier die Anonymität und fehlende soziale Kontrolle hinzu kommen.

Eine weitere Ursache für die hohe Abbruchquote könnte in dem fehlenden Numerus Clausus (NC) an der FernUniversität Hagen liegen. Zum Beispiel gibt es an der Fernuniversität viele Studierende der Psychologie, die aufgrund des NC der Präsenzuniversitäten in diesem Studienfach, keine andere Möglichkeit zu diesem Studium hätten. Es ist also denkbar, dass viele Studierende, auch unabhängig von ihren Rahmenbedingungen, die Anforderungen für den Studienerfolg nicht erfüllen können.

Als Hilfe für Interessenten an einem Fernstudium, gibt es auf der Website der FernUniversität Hagen einen „Willenstest“ mit 32 Fragen zum eigenen Lernverhalten.

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