Aufmerksamkeitsdefizite

22.09.2010 von Antonio Anta Brink

In einer Studie von Mitarbeitern der Michigan State University* zeigten sich grosse Mängel in der Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsyndroms (ADHS) in den USA. Rund 20% der insgesamt 4,5 Millionen Kinder mit ADHS-Diagnose in den USA, wurden wahrscheinlich falsch diagnostiziert. Betroffen davon sind vor allem die jüngsten Kinder einer Kindergartengruppe oder einer Schulklasse. Die Jüngeren bekommen wesentlich häufiger diese Diagnose als die Älteren. Die typischen ADHS-Symptome könnten also lediglich Ausdruck einer emotionalen oder geistigen Unreife der jüngeren Kinder sein. Dazu kommt, dass die Diagnose zwar von einem Arzt gestellt wird, meistens aber auf Veranlassung von Lehrer oder Erzieher. In Deutschland werden Kindern im Vorschulalter keine ADHS-Medikamente verschrieben, wie in den USA. Es stellt sich aber trotzdem die Frage, wie hoch hierzulande die Rate der Fehldiagnosen ist. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat schon im September 2009 eine mangelhafte Diagnosequalität konstatiert und plädiert für eine zwar aufwändigere aber validere differentielle Diagnostik durch Psychologen (Pressemitteilung). In der Schweiz wurde im Kanton Zürich eine repräsentative Erhebung der Verschreibung von Ritalin gemacht. Dabei zeigte sich in der Altersklasse zwischen 7 und 18 Jahren eine stetige Zunahme der Ritalin-Bezüger von 1,02 Prozent im Jahr 2005 auf 1,74 Prozent im Jahr 2008. Verschrieben wird es mehrheitlich den männlichen Schülern. Bei den 14-jährigen Volksschülern bekommen 1,87 Prozent der Mädchen Ritalin, während es 4,2 Prozent der Knaben einnehmen müssen (NZZ-Artikel). *Evans, Morrill & Parente: Measuring inappropriate medical diagnosis and treatment in survey data: The case of ADHD among school-age children, Journal of Health Economics, Vol. 29, Issue 5, September 2010, Pages 657-673

Zurück

Blog-Archiv