22.03.2009 von Antonio Anta Brink
Seit dem Amoklauf in Winnenden bekommt die Berufsgruppe der Psychologen wieder viel mediale Aufmerksamkeit. Zum einen die Psychotherapeuten, welche die Traumata der Augenzeugen behandeln und die Verwandten und Bekannten der Opfer betreuen. Zum anderen die Schulpsychologen, die für eine Prävention solcher Ereignisse sorgen könnten. Aber in Deutschland hat ein Schüler wenig Gelegenheit einen Schulpsychologen überhaupt zu Gesicht zu bekommen (s. Monitor-Online-Beitrag). Im Jahr 2008 gab es einen Schulpsychologen für mehr als 16.000 Schüler. Länder wie Dänemark, Schweiz aber auch Griechenland oder Russland leisten sich einen wesentlich höheren Prozentsatz an Schulpsychologen. Bereits 1974 empfahl die Bund-Länder-Kommission ein Verhältnis von 5000 Schülern pro Schulpychologe. Von diesem Ziel sind die meisten Bundesländer himmelweit entfernt (s. Versorgungszahlen vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen). In Niedersachsen kommen mehr als 26.000 Schüler auf einen Schulpsychologen. Das im Ländervergleich relativ wohlhabende Baden-Württemberg liegt an drittletzter Stelle (16.993 Schüler pro Schulpsychologe). Dies ist meiner Meinung nach ein unglaubliches Armutszeugnis, zumal schon nach dem Amoklauf in Erfurt im Jahr 2002 ein dringender Bedarf für mehr Schulpsychologen erkannt wurde. Übrigens liegt Erfurt im Bundesland Thüringen, das in der Versorgungsstatistik von 2008 am viertletzter Stelle steht (16.944 Schüler pro Schulpsychologe). Für mich stellt sich die Frage nach den Gründen für diese Misere. Meine Vermutungen: Gegenüber anderen Interessenverbänden ist der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) relativ schwach und kann sich bei den Politikern nur schwer Gehör verschaffen. Auf der anderen Seite scheinen sich Kultus- bzw. Bildungsminister mehr für Exzellenzinitiativen und Kopftücher an Schulen zu interessieren.
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